Sonntag, 3. Juni 2007

Verzweiflung


"Du bist aber dünn geworden, Grinsekatze...
Aber dein Grinsen tut gut."





Eine Bewegung im Augenwinkel.
Unwillkürlich bleibe ich stehen und schaue nach.

"Sag, magst du mich?"
- Wie?

"Magst du mich?"
- Wer bist du?
"Du kennst mich nicht?"

- Nein... ich glaube nicht.

"Aber ich kenne dich."

- Du kennst mich?

"Ja."
- Woher?
"Du hast mir alles über dich erzählt."

- Habe ich?
"Vor langer, langer Zeit. Sag, hast du mich vergessen?"
- Vergessen?
"Ja. Du hast mich vergessen."
- Ja, ich habe dich vergessen. Wer bist du?

"Das ist nicht wichtig. Wichtig ist, ob du mich magst."

- Wie soll ich darauf antworten, wo ich nicht einmal weiß, wer du bist?

"Du kennst die Antwort."
- Nein, ich kenne die Antwort nicht.
"Doch, du kennst sie."

- Du verärgerst mich. Sag mir, was du von mir willst.

"Ich will von dir hören, ob du mich magst, oder nicht."

- Warum, verdammt noch mal, interessiert dich das?
"
Ich kenne die Antwort."

- Hör auf, mit mir zu spielen.

"Du magst mich nicht."
- Ja, ich denke, ich mag dich nicht.
"Warum magst du mich nicht?"
- Ich möchte nicht weiter mit dir reden.
"Läufst du davon?"

- Nein, ich... habe nur keine Lust, dein Spiel zu spielen.
"Du spielst es schon. Bleib doch noch ein wenig."
- Nein.
"Du bist immer noch hier."
- ...

"Ich weiß warum."
- Ahja, du weißt es? Warum bin ich denn noch hier?
"Weil du nicht fort kannst."
- Ich kann fort, wann immer ich will!
"Nein, kannst du nicht. Und das weißt du auch."
- Wer... nein, was bist du?
"Du kennst mich."

- Hör auf damit!

"Du klingst schwach. Du weißt, dass du mich kennst."
- ...ja, ja, ich gebe es zu. Ich kenne dich. Jetzt lass mich alleine.
"Das kann ich nicht."
- Lass mich alleine!
"Ich kann nicht."

- Warum nicht?

"Du kennst die Antwort."
- Verdammt, wer bist du? Was bist du? Warum belästigst du mich?
"Weil du mich vergessen hast.
"
- Ich flehe dich an... lass mich zufrieden!
"Wenn ich wollte, ich könnte nicht."
- Warum, warum kannst du nicht?
"Du willst, dass ich hier bin."

- ...Ich... will, dass du hier bist?

"Ja."

- Warum will ich, dass du hier bist?

"Das musst du wissen. Du hast mich gerufen."

- Ich habe dich gerufen? Wann?
"Kurz bevor du mich gefunden hast."
- Warum habe ich dich gerufen?
"Das weißt nur du alleine."

Ich dachte nach.
Wusste ich es? Vielleicht, vielleicht wusste ich es.

- Ich erinnere mich. Ich kenne dich.
"Erinnerst du dich an die schöne Zeit, die wir gemeinsam hatten?
"

- Ich erinnere mich an alles.

"An... alles?"

- Ja, an alles.

"..."

- Was ist?

"Nichts."

- Du lügst.

"Ich lüge nicht."
- Du lügst immer. Du hast immer gelogen und du wirst auch immer lügen.
"Das ist nicht wahr!"
- Ich erinnere mich. Du hast mich immer belogen.
"Nein! Hör auf damit!"
- Geh.
"Nein!"
- Geh und bleib für immer fort.
"Das kannst du mir nicht antun!"
- Ich kann. Geh. Verschwinde.

"..."

- Du bist immernoch hier.
"Du wirst ohne mich unglücklich sein."
- Du lügst schon wieder.
"Aber... nein. Ich lüge nicht. Niemals!"
- Du klingst schwach.
"Ich... ich bin nicht
schwach!

- Weißt du, was der Unterschied zwischen uns ist?
"Es gibt keinen Unterschied! Ich bin du und du bist ich."
- Nein, das ist nicht ganz richtig
.

"Es ist richtig."
- Ich kann ohne dich existieren.
"Ich kann auch ohne dich existieren."
- Du lügst schon wieder.

Ich drehe mich um und gehe ein paar Schritte.
Meine Füße sind aus Blei.
Das Gehen fällt schwer.

"NEIN! Geh nicht!"
- Du hast gelogen.

Noch immer stehe ich mit dem Rücken zu dem Antwortenden.


"Ich... Nein, ich habe nicht gelogen!"

- Dann gehe ich jetzt. Du kannst ohne mich sein.

"Aber..."

- Leb wohl.

Ich gehe.
Ich habe sie seither nie wieder gesehen. Das ist gut so.

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