Verzweiflung
Eine Bewegung im Augenwinkel.
Unwillkürlich bleibe ich stehen und schaue nach.
"Sag, magst du mich?"
- Wie?
"Magst du mich?"
- Wer bist du?
"Du kennst mich nicht?"
- Nein... ich glaube nicht.
"Aber ich kenne dich."
- Du kennst mich?
"Ja."
- Woher?
"Du hast mir alles über dich erzählt."
- Habe ich?
"Vor langer, langer Zeit. Sag, hast du mich vergessen?"
- Vergessen?
"Ja. Du hast mich vergessen."
- Ja, ich habe dich vergessen. Wer bist du?
"Das ist nicht wichtig. Wichtig ist, ob du mich magst."
- Wie soll ich darauf antworten, wo ich nicht einmal weiß, wer du bist?
"Du kennst die Antwort."
- Nein, ich kenne die Antwort nicht.
"Doch, du kennst sie."
- Du verärgerst mich. Sag mir, was du von mir willst.
"Ich will von dir hören, ob du mich magst, oder nicht."
- Warum, verdammt noch mal, interessiert dich das? "
Ich kenne die Antwort."
- Hör auf, mit mir zu spielen.
"Du magst mich nicht."
- Ja, ich denke, ich mag dich nicht.
"Warum magst du mich nicht?"
- Ich möchte nicht weiter mit dir reden.
"Läufst du davon?"
- Nein, ich... habe nur keine Lust, dein Spiel zu spielen.
"Du spielst es schon. Bleib doch noch ein wenig."
- Nein.
"Du bist immer noch hier."
- ...
"Ich weiß warum."
- Ahja, du weißt es? Warum bin ich denn noch hier?
"Weil du nicht fort kannst."
- Ich kann fort, wann immer ich will!
"Nein, kannst du nicht. Und das weißt du auch."
- Wer... nein, was bist du?
"Du kennst mich."
- Hör auf damit!
"Du klingst schwach. Du weißt, dass du mich kennst."
- ...ja, ja, ich gebe es zu. Ich kenne dich. Jetzt lass mich alleine.
"Das kann ich nicht."
- Lass mich alleine!
"Ich kann nicht."
- Warum nicht?
"Du kennst die Antwort."
- Verdammt, wer bist du? Was bist du? Warum belästigst du mich?
"Weil du mich vergessen hast.
" - Ich flehe dich an... lass mich zufrieden!
"Wenn ich wollte, ich könnte nicht."
- Warum, warum kannst du nicht?
"Du willst, dass ich hier bin."
- ...Ich... will, dass du hier bist?
"Ja."
- Warum will ich, dass du hier bist?
"Das musst du wissen. Du hast mich gerufen."
- Ich habe dich gerufen? Wann?
"Kurz bevor du mich gefunden hast."
- Warum habe ich dich gerufen?
"Das weißt nur du alleine."
Ich dachte nach. Wusste ich es? Vielleicht, vielleicht wusste ich es.
- Ich erinnere mich. Ich kenne dich.
"Erinnerst du dich an die schöne Zeit, die wir gemeinsam hatten?"
- Ich erinnere mich an alles.
"An... alles?"
- Ja, an alles.
"..."
- Was ist?
"Nichts."
- Du lügst.
"Ich lüge nicht."
- Du lügst immer. Du hast immer gelogen und du wirst auch immer lügen.
"Das ist nicht wahr!"
- Ich erinnere mich. Du hast mich immer belogen.
"Nein! Hör auf damit!"
- Geh.
"Nein!"
- Geh und bleib für immer fort.
"Das kannst du mir nicht antun!"
- Ich kann. Geh. Verschwinde.
"..."
- Du bist immernoch hier.
"Du wirst ohne mich unglücklich sein."
- Du lügst schon wieder.
"Aber... nein. Ich lüge nicht. Niemals!"
- Du klingst schwach.
"Ich... ich bin nicht schwach!
- Weißt du, was der Unterschied zwischen uns ist?
"Es gibt keinen Unterschied! Ich bin du und du bist ich."
- Nein, das ist nicht ganz richtig.
"Es ist richtig."
- Ich kann ohne dich existieren.
"Ich kann auch ohne dich existieren."
- Du lügst schon wieder.
Ich drehe mich um und gehe ein paar Schritte. Meine Füße sind aus Blei.
Das Gehen fällt schwer.
"NEIN! Geh nicht!"
- Du hast gelogen.
Noch immer stehe ich mit dem Rücken zu dem Antwortenden.
"Ich... Nein, ich habe nicht gelogen!"
- Dann gehe ich jetzt. Du kannst ohne mich sein.
"Aber..."
- Leb wohl.
Ich gehe.
Ich habe sie seither nie wieder gesehen. Das ist gut so.

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