Donnerstag, 25. Oktober 2007

Man sieht immer das, was andere wollen...




...wenn man ein Stück des Gesellschaftssystem ist.
Wer bildet deine Meinung wirklich? Ja? Bist du dir da auch ganz sicher...?

Ich verrate dir ein Geheimnis. Es ist genau so bescheuert ein Gesicht in einer Staubwolke zu sehen wie eine Blume.
Aber warte... du glaubst mir nicht. Du weißt es besser, du hast deine Gedanken selbst in der Hand.

Tust du mir einen Gefallen? Störe dich nicht an meinem nackten Finger, der auf dich zeigt, während ich alleine in der Menge stehe und über dich und deine Freunde lache.

Ihr seid ohnehin viel mehr, weit in der Überzahl.
Was kümmert euch schon mein Lachen?



Fresst Scheiße, Milliarden von Fliegen können sich nicht irren!

Dienstag, 23. Oktober 2007

Drop two


Two – Der Wind in den Haaren

Die Kälte kroch ihm langsam von den Fingerspitzen den Arm hinauf und stach in sein Herz.
Ein kühler Wind zerzauste sein Haar und zerbrach letzendlich an seinem festen Stand. Er stütze sich auf das Geländer und sah vornübergebeugt nach unten auf die schwarze Oberfläche des Flusses.

Wie ein Spiegel zeigte das Wasser dort die Sterne, die er am Firmament schon seit so langer Zeit vermisste. Das leise schaukeln der Brücke, das ihn sanft in den Schlaf wiegte, nahm er nur dumpf wahr. Das Radio eines vorbeifahrenden Fahrzeuge trug eine beruhigende Melodie an sein Ohr.

..Sleep and fade away
..inside these walls we wait
..Wake up to the silence
..after judgement day


Ein schmales Lächeln war auf seinem Gesicht zu sehen.

Du hast Recht.“

Er sah in die großen Augen des samtigen Tieres neben sich. In dieser Nacht schimmerte sein Fell beinahe silbern unter dem hellen Licht des Mondes. Der Bote schloss langsam seine Augen und öffnete sie wieder. Die erste Bewegung diesen Abend.

Es sollte die einzige bleiben.

Von Anfang an hattest du das. Ich hätte es wissen sollen.“

Keine Reaktion, keine weitere Bewegung. Wie oft hatte er diese Worte bereits gehört? Wie oft schon in dieser einen Nacht? Unzählige male. Und jedes mal waren sie die Wahrheit.
Die ruhigen Augen spiegelten Geduld wider.

Er lächelte wieder und sah hinunter auf das Wasser. Ein sanfter Windhauch stahl ihm das Blatt Papier aus seiner Hand und trug es tanzend in die Nacht.
Er würde es nie absenden.


...Sleep and fade away...

Langsam setzten sich beide Füße auf den schmalen Streifen Stahlbeton vor dem Geländer.

...Inside these walls we wait...

Die Augen schlossen sich, noch immer ruhte ein geduldiger Blick auf ihm. Ein tiefer Atemzug, die Kälte durchdrang seinen Brustkorb und Reif schlug sich in seinen Adern nieder.
Leben.

...Wake up to the silence...

Eiskalter Wind riss an seinen Haaren, riss an seiner Kleidung und seiner Haut. Stück für Stück verlor er sein Gefühl für Zeit und Raum. Die Kälte befreite seine Gedanken als er in den Himmel stürzte.

Ein befreites Seufzen folgte dem Wind hinaus in die Nacht.

...After judgement day...

Die Stille folgte und verweilte an jenem Ort.

Montag, 22. Oktober 2007

Every raindrop looks the same


Schon wieder Kopfschmerzen.
Der erst Akt des morgens war der fliegende Wecker, der mit einem seltsamen Krachen an der Wand zerschellte. Darauffolgend das Brodeln einer Kaffeemaschine und das leise Quietschen der Badezimmertüre. Obwohl sie alleine war, schloss sie ab.
Sie war immer alleine. Und immer schloss sie die Türen hinter sich ab.

Im Badezimmer angekommen flog das Nachthemd in die Wäschetonne, dicht gefolgt von der Unterwäsche des Vortages. Das Radio wurde angeschalten und gab leise krächzend Worte von sich.

Feel the life inside
a remnant of the tide
that raged within when you were still alive

Die Dusche ging an.

never mind the cries
listen to the lies
while we’re waiting for the dead to rise

Das Wasser war zunächst eiskalt, doch kein Zurückzucken.

while we wait for them to rise

Nach und nach wurde es wärmer.
Noch immer spielte das Radio seine Rolle.

The world belongs to those
who stand out from the rows
of wayward and misguided silent souls

Das heiße Wasser brannte angenehm auf der Haut. Heißer Dampf stieg langsam auf und verschleierte Fenster und Spiegel.

History is shamed
By people laying blame
To everyone who doesn’t feel the same

the sun fades beyond the water as we bring on the night

Langsam schloss sie die Augen und spürte für einen kurzen Augenblick nur das Leben unter ihrer Hülle.

Sleep and fade away ...tonight...
Inside these walls we wait ...our lifeforce drains...
To change takes more than to remain
Therefore we lay - back - in the comfort of our chains


Das Wasser versiegte. So konnte es nicht weitergehen.
Auf dem Boden sammelten sich die Wassertropfen zu einer Pfütze, beinahe ein kleiner See auf kaltem, grauen Stein. Kondenswasser wurde weggewischt und gab freie Sicht auf den Spiegel. Sie sah sich nicht.
Sie sah nur die Silhuette der grauen Katze vor dem Fenster. Jenes Tier, dem sie vor so langer Zeit Einlass versprochen hatte. Wie lange war es nun her?
Eine langsame Handbewegung öffnete das Fenster, geschmeidig trat der Bote ein und setzte sich geduldig wartend auf den Sims.

"Du hattest Recht."
Nicht eine Bewegung.
"Du hattest von Anfang an Recht."

Das samtige Tier verstand die Sprache, die es hörte nicht. Doch wohl verstand es die Handlung, die folgte. Es hatte lange darauf gewartet, geduldig wie schon seit einer Ewigkeit.

Rotes Leben vermischte sich mit dem Wasser auf dem kalten Stein. Der warme Wasserdampf zog langsam durch das Fenster hinaus in den Morgen, getragen von einem leisen, befreiten Seufzen.
Die Stille folgte und verweilte an jenem Ort.


Sleep and fade away
inside these walls we wait
Wake up to the silence
after judgment day