Mittwoch, 30. Januar 2008

Creepy Doll oô





Aaah... ein kleiner Zwischenschub. Per Zufall gefunden, ganz davon abgesehen, dass es ein sehr unterhaltsames Videospiel-bei-dem-ich-einen-Account-besitze-Video ist, möchte ich auf das Lied und den Interpreten dieses Ohrenschmauses aufmerksam machen.

Ein Jahr lang jede Woche ein Lied herauszubringen, in diesen grundverschiedenen Klangvarianten ist eine Leistung, die publik gemacht werden sollte in dieser Zeit, da die Bitchmaker-Musicindustry die Fäden des MTV zieht.

Jonathan Coulton heißt der gute Mensch. Durchsucht das Netz nach seinen Liedern, alternativ schaut euch hier:
www.spiffworld.com
ein wenig um. Der Mensch macht Videos zu den Liedern von dem Herrn Coulton.




Blogeintrag und Gedankengang zu der Sache mit dem Jesus Camp kommt noch, ich werde mir den Film noch einmal anschauen und dann meine Meinung kundtun.
An dieser werde ich alle christlich gläubigen Leser in ihrem eigenen Interesse aus meinem Blog bitten.
Der Eintrag wird euch nicht gefallen, ich möchte keine subjektiven Kommentare dazu und werde mich auch nicht rechtfertigen.

Ich weiß, wie gerne ihr missioniert. Aber ich habe trotzdem keinen Bock darauf, lasst es einfach und ärgert euch im Stillen, wenn ihr schon nicht geht.

Soviel dazu.

Sonntag, 27. Januar 2008

Jesus Camp

http://66stage.com/documentaries.php?url=-5249911130864255023&pl=goo


Die ersten acht Minuten und mir war schlecht.
Trotzdem bis zum Ende angeschaut - wo genau liegt der Unterschied dazwischen, und einer so called "Sekte"?

Freitag, 18. Januar 2008

Some days, I get crazy

Mein Kopf ist so voll, ich habe das Gefühl, er würde gleich in tausend Fetzen zerplatzen wie eine Seifenblase. Und in etwa so fühlt sich der Inhalt an. Wie eine Seifenblase.

StudiVZ. Web 2.0. Nein, ich möchte hier keine Abhandlung über die Anwandlungen des Web 2.0 starten, ich möchte auf etwas anderes hinaus.

Heilbronn.
Drei Jahre.
Drei Jahre in denen ich gelernt habe, wie Menschen sind, dass ich anders denke und dass ich alles kann, wenn ich nur den Hintern hochbekomme.

Drei Jahre in denen ich Menschen kennengelernt habe, die meinen Horizont negativ erweitert haben. Und einige Monate, kurz vor dem Ende dieser "Lebensepoche" jemanden kennengelernt habe, der meinen Horizont positiv erweitert hat (falls du das hier jemals lesen solltest: Mäh!).

Manchmal ist mir zum weinen wenn ich an zwei Personen aus dieser Zeit denke. Das wären zum einen Elli. Mit dir habe ich heute noch Kontakt, auch wenn er öfter abreißt, findet man sich doch irgendwie wieder. Ob die Gespräche nun gehaltvoll sind oder nicht, das ist egal. Du glaubst nicht, wie wichtig mir das oft ist.
Zum anderen Sabi. Ob du es bemerkt hast, oder ob du es nicht bemerkt hast. In der kurzen Zeit vor den Abschlussprüfungen hast du mit deiner Weltanschauung ein Fenster für meinen Horizont geöffnet, das bis heute offen steht.
Ich weiß nicht, ob ich jemals die Gelegenheit bekomme, dir dafür zu danken. Kontakte reißen leider zu schnell ab, aber in Vergessenheit geraten werden manche Menschen niemals.
Wird man so unsterblich? Vielleicht.


Wie ich auf diese drei Jahre gedanklich kam... StudiVZ. Und somit wären wir wieder am Anfang. Eine Freundschaftseinladung. Dann eine zweite. Man klickt sich so durch, sieht, dass die anderen der alten Klasse irgendwie den Kontakt gehalten haben. Ich selbst ging. Und ich war froh darüber, die meisten dieser Gesichter nie wieder zu sehen.
Das kann man von zwei Seiten nun sehen.
Die Seite, die mir logischer erscheint und mir besser gefällt, ist, dass eben diese Leute noch immer auf der Stelle treten. Selber Wohnort bei den Meisten, viele davon im selben Beruf geblieben (Mediengestaltung, GrafikDesign, whatever). Viele sind, denke ich, auch in der Gruppe der nicht-Studenten des StudiVZs. Nunja, man wird es nie herausfinden. Ich zumindest nicht.
Ich will es gar nicht.
Glaube ich.

Ich hasse es, an diese drei Jahre erinnert zu werden. Ich vermisse sie manchmal, es war so einfach. Ich glaube, sie haben manchmal sogar Spaß gemacht.
Wenn ich an diese Jahre denke, dann fallen mir zuerst die Streitigkeiten ein. Menschen, die ich heute noch nicht leiden kann, Dinge, über die kein Gras wächst.
Mir fallen Dozenten ein, die mir Sichtweisen gezeigt haben, die mir geholfen haben, die mich gehasst haben.
Mir fallen Menschen ein, die mich enttäuscht haben und Menschen, die mich nicht haben wollten.

Es sind keine Vorwürfe, es sind Feststellungen.

Das alles sind Gedanken, die mir mit jedem Bild, das mir vor den Augen erscheint, immer wieder dasselbe entgegenbrüllen. Anders. Bin ich das? Will ich das sein?

Was wird nach dem Studium? Hält man den Kontakt zu Leuten, die man mag? Es wird jeden in andere Winde zerstreuen. Hält man den Kontakt zu Leuten, auf die man sich verlässt? Alle werden fort sein.
Wieder ein Kaltstart. Von einhundert auf null. Es wird keine Woche dauern, bis die ersten Zeichen von Vergessenheit sich zeigen.

Wozu sich dann hier Freunde suchen...?

Man tut es. Doch weshalb? Ist das ein Zeichen von Schwäche? Kommt man nicht alleine klar?

Oh, ich hasse es.
Jetzt, gerade, in diesem Augenblick in dem ich das schreibe, würde ich am liebsten in einem Starbucks sitzen, mit drei anderen normalen Mädels um mich herum, und mich über die neusten Beziehungskisten unterhalten.

Sobald meine Gedanken sich wieder beruhigt haben, werde ich diese Vorstellung abstoßend finden.

Was ist nun mein wahrer Gedanke?

Montag, 14. Januar 2008

Muha

Ah, wusstet ihr eigentlich, dass Googlemail eure Emails mitliest? Nein? Jetzt wisst ihr's.
Bloggerkonto ahoy, man konnte sich damals nur mit einem gmail.com Konto anmelden.

Ja, damals als man noch eingeladen werden musste von Freunden um sich bei google.com ein Emailkonto zu erstellen.
Das war ein Privileg, etwas... cooles.

Ich nutze meines nicht mehr.

Ich war schockiert, als ich von meinem Blog hier zu google gesurft bin und dort plötzlich eingeloggt war. iGoogle. Die personalisierte Startseite. War nett, da standen die News von 4Players.de. Nur wann hatte ich das so eingerichtet? ...

Be afraid.

Nebenbei zu solch früher Morgenstunde jemanden enttarnt (der sich nicht einmal getarnt hat). Hätte nie gedacht, dass eine Signatur jemanden verraten kann.
An dieser Stelle einen Gruß an Akuji. (^.^)/) *wave*

Freitag, 11. Januar 2008

PixelArts


Kleine Spielereien die sich ergeben wenn man anfängt, sich nicht nur für das Bitschubsen, sondern auch für das Pixelschubsen interessiert. Isometrie fand ich in der Schule schon toll.
Noch ist es nur Spielerei, mal sehen wie es sich entwickelt.

Dieses Pixel-Einzeln-Zeichnen-Und-Colorieren ist entspannender als diese Mandalakrakelei.

Donnerstag, 10. Januar 2008

Infected with where I live

It doesn’t hurt to take a hard look at yourself from time to time,
and this should help get you started. During a visit to the mental asylum,
a visitor asked the Director what the criterion was which define
whether or not a patient should be institutionalized.

Well,” said the Director,
we fill up a bathtub, then we offer a teaspoon, a teacup and a
bucket to the patient and ask him or her to empty the bathtub.”

Oh, I understand,” said the visitor.
A normal person would use the bucket because
it’s bigger than the spoon or the teacup.

No.” said the Director,
A normal person would pull the plug. Do you want a bed near the window?



Heute wieder sehr seltsame Erfahrungen gemacht was zwischenmenschliche Kommunikation und Nichtkommunikation angeht.

Folgendes:

Meine physische Hülle steht an der S-Bahnhaltestelle und wartet auf die Tram, die den Weg nach Hause zu einem gemütlichen 10 minütigen Sitzmarathon macht. Der Tag hatte mit Kopfschmerzen begonnen, mein Kopf war froh, dass er bald nichts mehr um sich herum haben würde.
Bis meine Gedanken registrierten, dass die lärmende Horde 14-Jähriger, die auf derselben Haltestellenseite standen wohl auch auf dieselbe Tram warteten, die mein Kopf so ersehnte.
Noch waren meine Gedanken bei dem leckeren Coffee to go der örtlichen Hochschulmensa.

Kalte Milch. Wenn ich schon einen Coffee to go hole, möchte ich mir auch die Zunge daran verbrennen können, vorallem wenn auf dem Deckel noch "Hot" eingestanzt steht.
Keine Verbrennung, aber die Milch-Kaffeemischung (ja, Latte Macchiato rockt einfach) war gut. Hatte sie mir das Schokopulver, das mir angeboten wurde und sonst nur auf Cappuchino kommt meines Wissens nach, extra abgerechnet? Meine Gedanken schweiften ab. Auf dem Preisaushang stand deutlich 1,80€, abgezogen von meiner multifunktionalen Campus Card wurden jedoch 1,90@. Zehn Cent für ein bisschen Schokopulver auf dem falschen Kaffeegetränk.
Seltsame Welt.

Zumal die Mensa die Öffnungszeiten gekürzt hat, morgens nicht mehr aufhat, bei der Essensausgabe die Kaffeemaschinen abgebaut wurden (wo sind die eigentlich hin? Ich würde eine nehmen für zu hause) und es keine Bargeldkasse mehr gibt.
Seltsame Welt.

Die Tram erreichte quietschend die Haltestelle und riss mich mit der Geräuschlage einer Katze die man mit einer Schiefertafel vergewaltigt aus den Gedanken. Mein leerer Kaffeebecher flog in den kleinen Abfallbehälter gleich hinter der Türe der Bahn.
Die lärmende Menge hinter mir.

Nach links abbiegen, niemanden ansehen, hinsetzen und hoffen, dass die abschreckende Wirkung meins Outfits auch hier seine Früchte trägt. Gedacht, getan.

Die drei Teenager (Tee-Nager) ließen sich nicht beirren, setzten sich mir gegenüber, die dritte auf diese seltsame Ablagefläche, unter der sich wohl ein Motor oder Ähnliches verbirgt, obwohl Sitzplätze in nächster Nähe frei gewesen wären.
Nicht zu vergessen die mindestens zwölf bis fünfzehn balzbereiter männlicher Homo Sapiens in selbem Alter, die die zwei Vierersitzplätze sowie den Gang für sich und ihre umwerfende Männlichkeit (und ihre Cheeseburger) beanspruchten.

Da saß mein gequälter Geist nun, inmitten einer Horde pubertierender MacDonalds Fans.
Die Gesprächsthemen: iPod, MacDonalds vs. Burger King, die neusten Handyspielereien (keine Klingeltöne, ich war erstaunt) und eine Menge anderer Kram, den ich ignorierte so gut ich konnte.

Einer der Gesprächsfetzen, die ich auffing, lautete wie folgt (Wortlaut zu 95% gleich):
Pimkimädel 1: "Warum hast dir net au eins geholt?"
Halbes-Pimkimädel 2: "Weil ich kein Geld (dabei?) hab."
Pimkimädel 1: "Ja und, ich doch au net?! Ich habs mir au von allen zusammengeschnorrt."

Ich war entsetzt. Sich Geld leihen wenn die Campus Card unerwarteter Weise leer ist, oder man überraschend wohin geht ist die eine Sache, jedoch Schnorren bedeutet betteln. Betteln bedeutet, Geld nehmen ohne es zurückzugeben. Ist das die neue Mode?

Um diesen Gedankengang abzuwürgen beschloss ich, mich für die restlichen sieben Minuten dieser Höllenfahrt in das Script von Technischer Informatik 2 zu vertiefen, in der Hoffnung, dass etwas hängen bliebe. Kaum hatte ich den Ordner aufgeschlagen, war kurz Stille um mich herum. Kann sein, dass ich mir das eingebildet habe, das möchte ich nicht ausschließen.

Die nächsten Gesprächsfetzen die ich auffing:
Pimkimädel 2: "Noch ein Jahr, dann kann ich bei Lidl arbeiten!"
Pimkimädel 1 an Halbes-Pimkimädel: "Ey, machsch du Abi?"
>>Das Gespräch verlief in Floskeln über Realschule, Abiturmöglichkeiten, wiederholten Klassen und der Wechsel zwischen Haupt- und Realschule<<

Der Gesprächsthemenwechsel war für mich etwas überraschend. Das Halb-Pimkimädel sah ab und an mit auf die ausgedruckten Folien des Professors betreffenden Faches, auf denen nicht mehr als Schaltbilder und Flip Flops sowie Chips und andere Bauteile schemaartig zu sehen waren (und die selbst ich unwahrscheinlich langweilig finde).
Ich sah mich um und bemerkte hier und dort ein Blick der Balztanzenden, der den meinen traf.

Und obwohl sie in der Überzahl waren, obwohl ich so aussah wie immer und weder meine Frisur noch meine Kleidung richtig saß, niemand sprach mich an oder ließ seine dämlichen Kommentare über mein Aussehen ab. Kein "Sataaan!" oder "Fett" in irgendeiner Variation zu hören.

Der Gesprächsthemenwechsel und die Ruhe, die ich als eine verwandte Art eines Bruders des Respekts betracht, brachten mich wieder zurück auf eine Tatsache, die mir noch nie so klar und deutlich bewusst war:

Wissen ist Macht.


In diesem Sinne, viel Erfolg bei den folgenden Klausuren.
Und drückt mir einen Daumen falls ihr die Zeit findet.

Montag, 7. Januar 2008

Still smiling

Nach all den Jahren stelle ich mir oft immer und immer wieder, immer noch, dieselbe Frage...

Was ist schlimmer?
Jemanden an den Tod zu verlieren der für das Selbst da war...
Oder
Jemanden an den eigenen Gedankentod zu verlieren von dem man weiß, seine physische Hülle lebt noch und interessiert sich nicht für einen, obwohl sie, diese Hülle, das tun sollte?

Still smiling.
I say: Fuck you.
I say: Nevermind.
I think: I don't know. Should I care? I should'nt. Why do I care? I don't. Dont' I?

La la la la lie lie lie la la la...



www.dragonstudios.de

Ab den Semesterferien endlich etwas zu tun in Sachen Kreativität. Logo machen. Wenn's gefällt... ich hoffe auf Flyer und Sonstiges. Ich tu das gerne.
Als Drachenliebhaber... und Grafikdesigner... was kann mir besseres passieren, als für "Dragonstudios" ein Logo machen zu dürfen? Und der/die Inhaber mögen Drachen.
Ich sehe das als Zufallstreffer. Oder?

Nachdem meine externe Festplatte abgeraucht ist, auf der sich knapp 300mb Skizzen und Bilder aus meiner Hand befanden, beschleicht mich das Gefühl, Ideen verloren zu haben.
Gedanken. Gelogen. Aber irgendwie ... fühlt es sich so an.
Ich bin nicht gut. Wenn ich auf AnimexX oder Deviantart herumsurfe, bekomme ich Depressionen. Nein, nicht ernsthaft. Gelogen.

La la la la la lie lie lie lie la la la la lie la lie la~

My brain feels like... some sort of ... fucked up.
And no, you don't understand or ever felt this.
Ever felt split up into two persons? Aaw... *pat pat*


~She smiles and formes voiceless a word with her lips: F...~

Don't say...



Don't cry.
Don't be upset.
Just smile and say: Fuck you.

I didn't cry.
I wasn't upset.
I smiled and said: Fuck you.

Don't show.
Don't look.
Just smile and say: Fuck you.

I didn't show.
I didn't look.
I smiled and said: Fuck you.

Don't think.
Don't know.
Just smile and say: Fuck you.

I didn't think.
I didn't know.
I smiled and said: Fuck you.

Don't watch.
Don't look away.
Just smile and say: Fuck you.

I didn't watch.
I didn't look away.
I smiled and said: Fuck you.

Don't blame.
Don't take the shame.
Just smile and say: Fuck you.

I didn't blame you.
I didn't take any shame.
I smiled and said: Fuck you.

Don't build.
Don't destroy.
Just smile and say: Fuck you.

I didn't build.
I didn't destroy.
I smiled and said: Fuck you.

h3ll0 w0rld.

Mittwoch, 2. Januar 2008

20 Schritte Freiheit - Der erste Schritt





Folgende Geschichte stammt nicht aus meiner Hand, das sogenannte Copyright sowie sämtliche anderen Rechte liegen bei Samsas Traum. Einer Band, die ich jedem der Geschichten mag, empfehlen möchte. Sofern Sinn für Groteskes besteht.


Zwanzig Schritte Freiheit - Teil eins

Die surrenden Neonlampen erloschen und ließen uns mit uns selbst und der Dämmerung alleine. Durch die sich hoch unter der Decke befindenden, vergitterten und mit Fliegendreck verschmutzen Fenster konnte man sehen, wie der Himmel strahlte. Vermutlich befand sich die Anstalt unweit von einer Großstadt entfernt, deren Lichter nachts die Atmosphäre aufhellten, und dadurch die über uns hinweg ziehenden Wolken in ein gespenstisch loderndes Flammenmeer verwandelten. Je nach Wetterlage schien das Licht manchmal orange, manchmal rot, oder auch bläulich auf uns herab. Farbliche Veränderungen des Firmaments waren die einzige Abwechslung, die uns der Blick aus dem Fenster bot.
In besonders kalten Nächten wirkte der Himmel wie von Pech durchdrängt. Dann sahen die funkelnden Sterne, deren Leuchten von den trüben Scheiben vor unseren Augen abgebremst wurde, wie Nadelstiche in einem schwarzen Tuch aus, und wir ahnten, dass bald wieder etwas Schlimmes passieren würde.

In der Zelle neben mir begann Lazarus seinen allabendlichen Monolog. „Wisst ihr was ich heute im Radio gehört habe? Ihr habt es doch auch alle gehört, oder?“, posaunte er erbost in die Stille hinaus und warf sich dabei wütend gegen die Gitterstäbe. Der dadurch entstehende Lärm hallte tausendfach von den nackten Wänden der Halle wieder. „Dieses lächerliche Philosophenpack hat in einer Sondersendung darüber debattiert, wie der Begriff „Menschenwürde“ eigentlich zu definieren sei“. Die Wut, die das Wort „Menschenwürde“ in ihm auflodern lies, war nicht zu überhören. Er wuchtete seinen Körper gegen die Zellenwände und stieß einen monströsen Schrei nach dem anderen aus. Unter meinen Füßen bebte der Boden. Lazarus war viel größer und kräftiger als die meisten Insassen; seine Ausbrüche verängstigten uns, und niemand wagte es, ihm zu widersprechen oder seinen Zorn auf sich zu ziehen. Die Wärter traten ihm nach einigen gewaltsamen Zwischenfällen nur noch mit Schlagstöcken bewaffnet gegenüber.


Wir hörten ihm schweigend zu. „Einer dieser Kerle hat mit einer Überheblichkeit, bei der mir schlecht geworden ist, behauptet, dass es den Menschen hauptsächlich auszeichnet, sich über Jahrhunderte hinweg seine Würde und Rechte durch blutige Schlachten erkämpft zu haben, und dass ihn dieser Kampf evolutionär von zum Beispiel den Affen unterscheidet. So etwas wie Affenwürde gäbe es wahrscheinlich nicht, hat der Herr Philosoph gesagt. Das muss man sich einmal vorstellen, Affenwürde! Wer kann eigentlich beweisen, dass sich die Bienen vor zweihundert Jahren in einem schrecklichen Krieg nicht auch ihre Würde und Rechte erkämpft hätten? Puschkin, was meinst du?“. Die aufgeworfene Frage war für mich von rhetorischer Natur, deshalb gab ich keine Antwort. „Als ob die Menschheit nicht schon verrückt genug wäre“, murmelte Lazarus in sich hinein, bevor ihn wieder die Wut packte. Er nahm Anlauf und sprang ein weiteres Mal gegen die Gitter seiner Zelle. „Wieso sperrt man mich ein?! Wenn man sich seine Würde erst erkämpfen muss, dann erkämpf ich sie mir eben!“, brüllte er verzweifelt. Es war Nacht für Nacht das selbe schmerzliche Aufbegehren, das nach gut einer Stunde mit dem entkräfteten Zusammenbruch meines Zellennachbarn endete.

Ich kann mich nicht daran erinnern, die Anstalt jemals von außen gesehen zu haben. Hier gab es keine Wochentage, keine Monate, und keine Jahreszeiten. Den Ablauf unseres Lebens bestimmten das elektrische Licht und die Aufseher, die wie ferngesteuerte Maschinen durch die Gänge schlichen, die Mahlzeiten brachten, und manchmal wahrlos ihre Aggressionen an uns ausließen. Viele von uns begriffen wahrscheinlich nicht einmal, dass sie überhaupt ein Leben in Gefangenschaft fristeten, da sie nichts anderes kannten. Meine Mutter, die noch in der alten Welt geboren, dann aber hierher gebracht worden war, hat mir vor ihrem Tod Geschichten über ein Leben jenseits der uns umgebenden Gefängnismauern erzählt. Anfangs soll sie sehr schön gewesen sein; irgendwann habe man aber so viele Unterschiede zwischen arm und reich, dick und dünn, groß und klein gemacht, dass alles schwache und vermeintlich hässliche einfach nicht mehr zu rechtfertigen gewesen wäre. Man hat deshalb damit beginnen müssen, man hat deshalb damit begonnen, es zu verfolgen, es einzusperren, und umzubringen. „Das Beste, was dir heutzutage noch passieren kann, ist, dass du als Baum geboren wirst, und an einem Ort wächst, wo dich außer den Vögeln niemand finden kann“, hat meine Mutter immer wieder gesagt. Durch die Erzählungen der älteren Insassen, hatte sich mit der Zeit die mehr von einem von den einen als von den anderen als Paradies glorifizierten, von den anderen als Hölle verdammten Ort verbreitet, mit dem jeder von uns in der Zukunft einmal konfrontiert werden würde. Legenden berichteten von Soldaten und Freiheitskämpfern, die eines Tages alle Schranken überwinden und uns retten würden. Es war von freien Menschen auf der anderen Seite der Mauern die Rede, die mutig genug waren, ihr Leben für all die zu Unrecht eingesperrten Gefangenen der Welt aufs Spiel zu setzen.