Donnerstag, 28. Juni 2007

Schamlos

Ja, tatsächlich.
Nicht gefunden, nein, gezeigt bekommen und schamlos aus Pucks Blog geklaut:



Mittwoch, 27. Juni 2007

Ein Bier... und bring mir bitte die Pumpgun, Schatz! - Part 1




"Einundzwanzig! Baby, sieh mal!"


Es hätte ein so ruhiger Abend werden können.

"Zweiundzwanzig! Volltreffer, Arschloch!"

Romantischer Kerzenschein, ein Candle Light Dinner in einer zweitklassigen Bude. Der Wein aus der mittleren Preisklasse, die Gläser sogar frisch gespült und das Geschirr herausgekramt, das die wenigsten Macken hat. Ja, selbst das Besteck war poliert um die Spülmaschinenflecken auf der blankblitzenden metallenen Oberfläche der Messerschneide zu verbannen.
Der Abend hätte ruhig werden können.


"Dreiundzwanzig!"
Nachladen.

Im Hintergrund klassische Musik, sie mochte solchen Krams. Er hatte zwar keine Ahnung von Klassik, aber "Mozart" klang einfach so bekannt, dass er die billig verpackte CD gerade mitgenommen hatte im Shop. Ohne zu bezahlen versteht sich.
Mittlerweile hatte er das Geigengefiedel gegen etwas Gitarrenlastigeres getauscht. Es waren keine Nachbarn heute, die sich über die Lautstärke beschwerten.
Mittlerweile überdröhnte der Bass sogar die Pumpgun.
Gute Lautstärke.

"Vierund- scheiße. Stirb, Schlampe!"
BANG
"Vierundzwanzig!"

Ein lässiger Schluck aus der Bierflasche. Der letzte Schluck dieser Flasche.

"Scheiße. Langsam wird's echt hart."
Noch drei Flaschen. Ah, drei leere.
"Schatz, holst du mir noch eine Flasche Pils aus dem Kühlschrank?"
Ein Grunzen und Stöhnen zur Antwort.
"Jaja, ich geh ja schon selbst."
Sie schlurfte vorwärts, kam aber aufgrund des zur Kette umgebauten Dynamos nicht weiter. Der Haken hielt sie an der Wade fest. Nunja, er war geradewegs durchgeschoben, durch's Fleisch und am Schienbeinknochen eingehakt. Die wohl Effektivste Methode, dieses hohle Stück Fleisch festzuhalten. Der Dynamo schnalzte so lustig zurück sobald zuviel Zuglast darauf war.

BAMM

Schon lag sie wieder auf der Nase.

"Geiler Aufschlag! Gott, ich liebe dich, Baby!" Er warf ihr einen Kuss zu und schwang sich kopfnickend zur Musik in die Wohnung zurück, zur Küche und sah in den Kühlschrank.
Drei Flaschen Bier. Volle.

"Fuck, das hält sich nicht mal diesen Mittag. Shoppingtime!"
Er ging wieder zur Balkontür. Schlurfen und Grunzen. Der Gestank war einfach umwerfend.
"Nicht abhauen, Babe. Bin gleich zurück." Ein kurzes Zwinkern und schon verschwand er aus der Haustüre, ging zwei Schritte quer über den Gang, trat die Türe ein zur gegenüberliegenden Wohung und jubelte laut.

"VIERUNDZWANZIG BABY!"

Ein abstoßendes Grunzen. Am anderen Ende bewegte sich etwas.
"Aaaalter, schrei nicht so. Ich hab grad so schön geträumt." Beam grinste dreckig und rollte sich von seiner versifften Matratze. "Guten Morgen Sonnenschein!" Beam nahm einen kräftigen Schluck aus der Whiskeyflasche und drückte dem noch sauberen Etikett einen feuchten Kuss auf, der eher an einen sabbernden Hund erinnerte.
"Ich sehs. Zieh dir Hosen an, Mann." "Steht'n ziemlicher Hecht in der Bude, was?" Wieder ein dreckiges Grinsen. Er konnte sich Beam gar nicht mehr ohne diesen Gesichtsausdruck vorstellen. "Ja, ich erblasse vor Neid. VIERUNDZWANZIG BABY!" Er stand breitbeinig auf dem, wirklich ekelhaften, Teppichboden und reckte beide Hände in die Höhe. "
Du musst dich ins Zeug legen."
In der rechten immernoch die Pumpgun.

"Waum zum Teufel schmeißt du mich um die Zeit aus den geilsten Träumen?"

Er grinste nur. Nicht ganz so dreckig wie Beam, aber dreckig.
"Shopping?"
"Shopping."
"Bier?"
"Bier."
"Ok."
"Ok?"
"Yo."
"Alright Babe!"


--= Fortsetzung folgt =--

Montag, 25. Juni 2007

Der Verzweiflung kleiner Bruder




Ist die Wehmut

Es interessiert mich nicht



Es interessiert mich nicht, wie du dein Geld verdienst.
Ich will wissen, wonach du dich sehnst, und ob du es wagst davon zu träumen,
der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist.
Ich will wissen, ob du es riskierst, dich für die Liebe lächerlich zu machen,
für deine Träume, für das Abenteuer, lebendig zu sein.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen.
Ich will wissen, ob du den Kern deines Leidens berührt hast,
ob du durch die Enttäuschungen des Lebens geöffnet worden bist,
oder zusammengezogen und verschlossen, aus Angst vor weiterem Schmerz.

Ich will wissen, ob du im Schmerz stehen kannst, meinem oder deinem eigenen,
ohne etwas zu tun, um ihn zu verstecken, ihn zu verkleinern, oder ihn in Ordnung zu bringen.

Ich will wissen, ob du mit Freude sein kannst, meiner oder deiner eigenen,
ob du mit Wildheit tanzen und dich von Extase füllen lassen kannst
bis in die Spitzen deiner Finger und Zehen, ohne uns zu ermahnen, vorsichtiger zu sein,
realistischer zu sein, oder an die Beschränkungen des Menschseins zu erinnern.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du mir erzählt hast, wahr ist.
Ich will wissen, ob du einen anderen enttäuschen kannst, um dir selber treu zu bleiben.
Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.

Ich will wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist,
und ob du dein Leben aus seiner Gegenwart entspringen lassen kannst.

Ich will wissen, ob du mit Versagen leben kannst, deinem und meinem,
und trotzdem am Ende eines Sees stehen kannst, um zum silbernen Vollmond zu rufen, "Ja".

Es interessiert mich nicht zu erfahren, wo du lebst und wieviel Geld du hast.
Ich möchte wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und Verzweiflung,
erschöpft und bis auf die Knochen zerschlagen und tust, was für die Kinder getan werden muss.

Es interessiert mich nicht zu wissen, wer du bist und wie es kommt, daß du hier bist.
Ich will wissen, ob du mit mir im Zentrum des Feuers stehen kannst und nicht zurückschreckst.

Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du studiert hast.
Ich will wissen, was dich von innen trägt, wenn alles andere wegfällt.
Ich will wissen, ob du alleine mit dir sein kannst,
und ob du deine Gesellschaft in den leeren Momenten wirklich magst.

Oriah Mountain Dreamer aus dem Buch "The Invitation"

Was bedeutet "Heimweh"?


Ich seh etwas, was du nicht siehst
Ich seh etwas, das du nicht siehst
Was du nicht siehst..

Die Freiheit
Zu fühlen was ich fühl

Zu fühlen was ich wirklich fühl
Die Freiheit
Zu leben was ich leb

Zu leben was ich leben will

Die Freiheit
Zu sagen was ich sag
Zu sagen was ich ehrlich mag

Die Freiheit zu lieben
Milu - Freiheit




Ich habs im Spiegel gesehen, mein Bild. Ich bin hier.


Eine große Party, sagen sie.
Das Ereignis des Jahres, sagen sie.

Lauter Verrückte auf einem Haufen, sagen sie.

Fans, lauter als die Hölle, sagen sie.

Aber das ist es nicht. Es ist mehr. Es ist mehr als Worte sagen können.
Mehr als Bilder zeigen können.

Inmitten einer Menge zu stehen, umringt von Wärme, von Lautstärke die gefällt, alles um sich herum vergessen zu können und nur noch zu fühlen.
Der Lärm, der durch Mark und Bein fährt, den Körper zum Beben bringt, die Ohren betäubt.
Die Wärme, die erdrückt, angenehm erdrückt, einem beinahe die Luft raubt.
Die Bewegung, die mitreißt. Die Chöre, die zum einstimmen bewegen.
Sich selbst nicht zu hören und doch so bewusst dort sein.


Ich bin kein musikalischer Mensch. Ich spiele kein einziges Instrument, ich kann weder Noten lesen noch in einem klassischen Stück sagen, welche Instrumente mitspielen. Unmusikalischere Menschen als mich gibt es selten, davon bin ich überzeugt. Selbst Taktgefühl blieb mir versagt.
Meine Stimme ist es nur wert, in lauten Chören erhoben zu werden, alles andere klänge schrecklich und für dritte unerträglich.

Und doch... doch es ist die Musik, die alles verbindet. Die den Geist auf Reisen schickt, die Wirklichkeit verblassen lässt, uns träumen lässt.
Ein Leben ohne Musik kann ich mir nicht vorstellen.

Du auch nicht, nebenbei, und das weißt du.


Im Vergleich zu solch lächerlichen Veranstaltungen wie Fasching oder Discotheken, Clubs, Urlaube, ist die Heiterkeit auf Festivals nicht aufgesetzt. Die Freude, die Freiheit, es fühlt sich alles so echt an. Nirgends kommt mir ein Lächeln so ehrlich vor, ein Lachen so aufrichtig.
Ich bin mir bewusst, dass sich Menschen nicht ändern, nur weil sie einen bestimmten Ort aufsuchen. Der Charakter bleibt derselbe und Idioten und Querschläger gibt es überall. Doch nirgends ist das so bedeutungslos wie in der Mitte einer ausgelassenen Feier.
In der Wärme, die dir die Brust zuschnürt, dich schwindeln lässt, dir Kopfschmerzen bereitet, der Lärm der sich durch deine Adern frisst um grelle Geräusche in deinen Ohren hervorzurufen, die blauen Flecken, die durch das Gedränge entstehen, aufgerissene Haut, Löcher in der Kleidung.


Ich habs im Spiegel gesehen. Mein Bild. Ich bin hier.

Wo die andere Hälfte meines Herzens, die Sehnsucht, ist, weiß nur der Wind.

Sonntag, 24. Juni 2007

Warum bloggen... die anderen?




Eine Frage die ich mir öfter gestellt habe.

Die meisten nutzen ihren Blog irgendwie als eine Art Tagebuch oder so. Mal im Ernst, wer sich für den Tagesablauf eines Menschen wirklich interessiert, der ruft doch an oder besucht ihn persönlich, oder etwa nicht? Bin ich zu altmodisch?
Oder wurden diese Blogs tatsächlich erfunden, um Tagebücher darin zu schreiben? Gut, vermutlich ist das der Fall.
Allerdings kenne ich nun schon vier Blogs, die tatsächlich etwas zum nachdenken, mitfühlen, mitlächeln und mittrauern sind. Krankhaft, dabei kenne ich diese Menschen kaum. Bis auf einen.

Ich bin mir vollkommen bewusst, dass ich hier beinahe ausschließlich seelischen Exhibitionismus betreibe, aber wer das hier zu lesen bekommt, bis auf zwei Personen davon, kennt mich so gut, das hier wirklich zu verstehen.
Würdet ihr hier lieber lesen, was ich den Tag lang getan habe, was sich in meiner Heimatstadt verändert, wer gemein zu mir war, wie es um meinen Sexualtrieb steht und welcher böse Lehrer mich zum weinen gebracht hat? (Ah, nein. Das kommt tatsächlich nie vor. Blödes Beispiel.)


Jedoch... eines wird mir immer wieder bewusst, wenn ich Tagebuchblogs lese, in denen nur Ereignisse und wenige Gedanken stehen. Gedanken ist in diesem Kontext als Weltanschauung zu verstehen, das am Rande.
Menschen, die so etwas schreiben, müssen entweder sterbenslangweilig sein, einen privaten Blog haben für die, die sie näher kennen oder tatsächlich mit solch beschränktem Blickfeld durch die Welt laufen, dass sie sich für Dinge interessieren, die so weit hinter ihnen liegen, dass sie schon eingestaubt sind.
Damit meine ich nicht zeitlich, damit meine ich Lebensabschnittstechnisch. Vergangene Lebensabschnitte sind _vergangen_ und weit weit, sehr weit fort. Nicht wiederholbar, nicht zurücksetzbar, nicht veränderbar.



Und wieder einmal drängt sich mir eine Frage auf:

Warum interessieren sich so viele Menschen für so viele andere Menschen, die sie mit 100%er Sicherheit aus den Augen verlieren werden, die treulos sind, die sich nicht für sie aufrichtig interessieren oder schon lange, lange fort sind?

Und warum interessiere ich mich nicht für solche Menschen?

...und wer von beiden ist jetzt seltsam?

Sonntag, 3. Juni 2007

Verzweiflung


"Du bist aber dünn geworden, Grinsekatze...
Aber dein Grinsen tut gut."





Eine Bewegung im Augenwinkel.
Unwillkürlich bleibe ich stehen und schaue nach.

"Sag, magst du mich?"
- Wie?

"Magst du mich?"
- Wer bist du?
"Du kennst mich nicht?"

- Nein... ich glaube nicht.

"Aber ich kenne dich."

- Du kennst mich?

"Ja."
- Woher?
"Du hast mir alles über dich erzählt."

- Habe ich?
"Vor langer, langer Zeit. Sag, hast du mich vergessen?"
- Vergessen?
"Ja. Du hast mich vergessen."
- Ja, ich habe dich vergessen. Wer bist du?

"Das ist nicht wichtig. Wichtig ist, ob du mich magst."

- Wie soll ich darauf antworten, wo ich nicht einmal weiß, wer du bist?

"Du kennst die Antwort."
- Nein, ich kenne die Antwort nicht.
"Doch, du kennst sie."

- Du verärgerst mich. Sag mir, was du von mir willst.

"Ich will von dir hören, ob du mich magst, oder nicht."

- Warum, verdammt noch mal, interessiert dich das?
"
Ich kenne die Antwort."

- Hör auf, mit mir zu spielen.

"Du magst mich nicht."
- Ja, ich denke, ich mag dich nicht.
"Warum magst du mich nicht?"
- Ich möchte nicht weiter mit dir reden.
"Läufst du davon?"

- Nein, ich... habe nur keine Lust, dein Spiel zu spielen.
"Du spielst es schon. Bleib doch noch ein wenig."
- Nein.
"Du bist immer noch hier."
- ...

"Ich weiß warum."
- Ahja, du weißt es? Warum bin ich denn noch hier?
"Weil du nicht fort kannst."
- Ich kann fort, wann immer ich will!
"Nein, kannst du nicht. Und das weißt du auch."
- Wer... nein, was bist du?
"Du kennst mich."

- Hör auf damit!

"Du klingst schwach. Du weißt, dass du mich kennst."
- ...ja, ja, ich gebe es zu. Ich kenne dich. Jetzt lass mich alleine.
"Das kann ich nicht."
- Lass mich alleine!
"Ich kann nicht."

- Warum nicht?

"Du kennst die Antwort."
- Verdammt, wer bist du? Was bist du? Warum belästigst du mich?
"Weil du mich vergessen hast.
"
- Ich flehe dich an... lass mich zufrieden!
"Wenn ich wollte, ich könnte nicht."
- Warum, warum kannst du nicht?
"Du willst, dass ich hier bin."

- ...Ich... will, dass du hier bist?

"Ja."

- Warum will ich, dass du hier bist?

"Das musst du wissen. Du hast mich gerufen."

- Ich habe dich gerufen? Wann?
"Kurz bevor du mich gefunden hast."
- Warum habe ich dich gerufen?
"Das weißt nur du alleine."

Ich dachte nach.
Wusste ich es? Vielleicht, vielleicht wusste ich es.

- Ich erinnere mich. Ich kenne dich.
"Erinnerst du dich an die schöne Zeit, die wir gemeinsam hatten?
"

- Ich erinnere mich an alles.

"An... alles?"

- Ja, an alles.

"..."

- Was ist?

"Nichts."

- Du lügst.

"Ich lüge nicht."
- Du lügst immer. Du hast immer gelogen und du wirst auch immer lügen.
"Das ist nicht wahr!"
- Ich erinnere mich. Du hast mich immer belogen.
"Nein! Hör auf damit!"
- Geh.
"Nein!"
- Geh und bleib für immer fort.
"Das kannst du mir nicht antun!"
- Ich kann. Geh. Verschwinde.

"..."

- Du bist immernoch hier.
"Du wirst ohne mich unglücklich sein."
- Du lügst schon wieder.
"Aber... nein. Ich lüge nicht. Niemals!"
- Du klingst schwach.
"Ich... ich bin nicht
schwach!

- Weißt du, was der Unterschied zwischen uns ist?
"Es gibt keinen Unterschied! Ich bin du und du bist ich."
- Nein, das ist nicht ganz richtig
.

"Es ist richtig."
- Ich kann ohne dich existieren.
"Ich kann auch ohne dich existieren."
- Du lügst schon wieder.

Ich drehe mich um und gehe ein paar Schritte.
Meine Füße sind aus Blei.
Das Gehen fällt schwer.

"NEIN! Geh nicht!"
- Du hast gelogen.

Noch immer stehe ich mit dem Rücken zu dem Antwortenden.


"Ich... Nein, ich habe nicht gelogen!"

- Dann gehe ich jetzt. Du kannst ohne mich sein.

"Aber..."

- Leb wohl.

Ich gehe.
Ich habe sie seither nie wieder gesehen. Das ist gut so.